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Deutscher-Wildgehege-Verband e.V.

Nachhaltigkeit und Partizipation

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in tiergärtnerischen Einrichtungen

Die Haltung von wilden Tieren hat eine lange Tradition. Die Motive waren vielfältig und liegen in Machtdemonstration, jagdlichem Nutzen und öffentlicher Zurschaustellung in „Menagerien“ begründet. Klassische Zoologische Gärten des 19. Jahrhunderts sind kontinuierlich gewachsen, während Wildparks erst in den 1960er Jahre eine Renaissance erlebten oder gänzlich neu aus dem Naturschutzgedanken der Zeit entstanden. Im Naturschutzrecht werden sie heute weitest­gehend als „Zoo“ definiert. Themen wie Arten-, Natur- und Umweltschutz entsprechend den UN-Nachhaltigkeitszielen sind heute zentrales Kommunikationsziel und vereinen die historisch so unterschiedlich entstandenen Tiergärten in ihrem Anspruch an die Dokumentation ökologischer Zusammenhänge (Abbildung 1).

Transformation der Tiergärten

Abbildung 1     Von der Menagerie zu Nachhaltigen Wildparks (nach IUDZG 1993, veränd. 11.2025)

Zukünftig spielen verschiedene nachhaltige Ausrichtungen eine endscheidende Rolle, die aber nicht getrennt voneinander zu sehen sind: BNE = Bildung für nachhaltige Entwicklung bedeutet Bildung, die befähigt, Auswirkungen des eigenen Handelns zu verstehen und nachhaltige Entscheidungen zu treffen. OPA = One-Plan-Approach bedeutet, alle Tiere einer bedrohten Art in Natur und Tiergärten werden gemeinsam gemanagt, um ihr Überleben zu sichern. Bis hin zum WIA = Whole-Institution-Approach, der bedeutet, dass die gesamte Organisation alle Strukturen und Abläufe konsequent auf Nachhaltigkeit ausrichtet.

Tiergärtnerische Einrichtungen erreichen in Europa pro Jahr mittlerweile bis zu 148 Mio. Besucher (EAZA 2025). Und so wie sich die Tiergärtnerischen Einrichtungen im Laufe der Zeit gewandelt haben, haben sich nicht nur die Ansprüche an die Bildung sondern an die Einrichtung als Ganzes (Whole-Institution-Approach, kurz WIA) gewandelt.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Nach der Umweltbildung, mit Wurzeln in den 1970er Jahren, ist seit über 30 Jahren Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE, in den Vordergrund der weltweiten Bildungsdebatte gerückt. Auf der Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro wurde die Agenda 21 verabschiedet. In der Folge wurde im Jahre 2005 die Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005-2014) von der UNESCO ausgerufen, mit der in Deutschland die systematische Förderung von BNE begann.

BNE wird hier definiert als ein Bildungsansatz, der darauf abzielt, den Lernenden das Wissen, die Fähigkeiten, die Werte und die Einstellungen zu vermitteln, die notwendig sind, um in einer sich wandelnden Welt nachhaltig zu handeln.

„Bildung für nachhaltige Entwicklung vermittelt Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln. Sie versetzt Menschen in die Lage, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und dabei abzuschätzen, wie sich das eigene Handeln auf künftige Generationen oder das Leben in anderen Weltregionen auswirkt.“ (bpb 2025).

Es geht darum, nicht nur Fakten und Informationen zu vermitteln, sondern auch kritisches Denken, Problemlösungsfähigkeiten und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit zu fördern.

Tiergärtnerische Einrichtungen sind durch den direkten Kontakt zum Tier eine Attraktion. Bildungsangebote können Faszination für die Natur und Umwelt, sowie Interesse an Lebens­räumen, Ökosystemen und ökologischen Zusammenhängen wecken. Dieser Kontakt zur direkten Natur kann über emotionale Bindungen die Wahrnehmung der Natur beeinflussen (EAZA 2010). Sie sind dabei nicht nur Orte non-formalen (außerschulischen) Lernens für Schulgruppen, sondern auch Orte informellen Lernens. Das bedeutet, dass die Gäste in der Regel in ihrer Freizeit kommen, wobei „Lernen“ im klassischen Sinne nicht das primäre Ziel des Besuchs ist. Deswegen müssen Inhalte „im Nebenbei“ vermittelt werden. Für tier­gärtnerische Einrichtungen bedeutet dies in Bezug auf Nachhaltigkeit u. a., dass die Lebens­bedingungen der Tiere einen Eindruck von ihrem natürlichen Umfeld geben und dass den unterschiedlichen Lebensformen Respekt gezollt wird (Stoltenberg 2010).

Agenda 2030 mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs)

Eine Verstärkung stellte 2015 die Verabschiedung der Agenda 2030 für nachhaltige Ent­wicklung der Vereinten Nationen dar. Die Weltgemeinschaft hat sich mit der Agenda 2030 17 globale Nachhaltigkeitsziele, die Sustainable Development Goals (kurz SDGs), für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Entwicklung gesetzt (Abbildung 2). Die SDGs zielen darauf ab, Armut zu beseitigen, die Ungleichheit zu verringern und den Klimawandel zu bekämpfen. Damit bieten sie einen klaren Rahmen für die Ausrichtung von Bildung auf die globalen Heraus­forderungen des 21. Jahrhunderts. 2016 hat Deutschland bei der Aktualisierung der Deutschen Nachhaltig­keits­strategie die 17 Nachhaltigkeitsziele mit aufgenommen. Zuletzt wurden diese 2025 von der aktuellen Bundesregierung bestätigt und fort­geschrieben (Bundesregierung 2025).

Die 17 SDGs als „Wedding Cake“-Modell

 Abbildung 2            Die 17 SDGs als „Wedding Cake“-Modell

Zwar sind die 17 Nachhaltigkeitsziele prinzipiell gleichwertig zueinander, aber dennoch bedingen die einen die anderen
(Uni Hamburg nach Azote for Stockholm Resilience Centre, Stockholm University CC BY-ND 3.0.)

Der Deutsche Wildgehege-Verband sieht seinen Schwerpunkt bei folgenden sieben Zielen:

SDG SDG-Ziel & ggf. Unterziel Umsetzung des DWV
Hochwertige Bildung Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern

4.a       Bildungseinrichtungen bauen und ausbauen, die kinder-, behinderten- und geschlechtergerecht sind und eine sichere, gewaltfreie, inklusive und effektive Lernumgebung für alle bieten
An erster Stelle steht die hochwertige Bildung.

Die BNE-Umweltbildungssiegel für tiergärtnerische Einrichtungen, weiterentwickelt aus der DBU-geförderten Qualifizierungsoffensive Umweltbildung (2009-2011) zielen seit 2009 darauf ab, die Einrichtungen durch Fortbildungen und externe Begutachtungen auf BNE auszurichten.

2019 kam die Gästeführer-Zertifizierung hinzu, um eine einheitliche Aus- und Fortbildung der Gästeführerinnen und Gästeführer zu gewährleisten.
Leben an Land

Leben unter Wasser
Landökosysteme schützen und wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen

            sowie

Ozeane, Meere und Meeres­ressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen
Der Verband unterstützt
  • Forschungsprojekte zu biologischen Zusammenhängen und vermittelt die Ergebnisse wiederum der Öffentlichkeit.
  • Artenschutzprojekte und Zucht­­kooperationen und trägt dadurch zur Arterhaltung gefährdeter Tierarten und Erhöhung der Biodiversität bei.
  • bei der Planung von Gehegen, um den potentiellen Lebensraum möglichst naturgetreu darstellen zu können.
Kein Hunger Den Hunger beenden, Ernährungs­sicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

2.5 Genetische Vielfalt in der Lebens­mittelproduktion erhalten, von Saatgut, Kulturpflanzen sowie Nutz- und Haus­tieren und ihren wildlebenden Artverwandten 
Der DWV steht nicht nur für Wildtierhaltung in seinen Einrichtungen, sondern unterstützt auch die Haltung von alten und bedrohten Nutztierrassen zum Erhalt der genetischen Artenvielfalt.
Partnerschaften zur Erreichung der Ziele Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben Der DWV hat Kooperationen von der kommunalen bis zur internationalen Ebene, um die Ziele des Verbandes im Sinne der Mitglieder und der Tiere umsetzen zu können.
Nachhaltiger Konsum und Produktion

Massnahmen zum Klimaschutz
Nachhaltige Konsum- & Produk­tions­muster sicherstellen

12.8 Sicherstellung eines allgemeinen Verständnisses für nachhaltige Lebensweisen

            sowie

Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen

13.3 Die Aufklärung und Sensibilisierung sowie die personellen und institutionellen Kapazitäten im Bereich der Abschwächung des Klimawandels, der Klimaanpassung, der Reduzierung der Klimaaus­wirkungen sowie der Frühwarnung verbessern
Der DWV arbeitet daran, seine Mitglieder bei einer Umstrukturierung im Sinne des WIA (Whole Institution Approach) zu unterstützen.
Ein erster Schritt ist die Durchführung eines Nachhaltigkeit-Checks durch die Einrichtungen.
 

Der Deutsche Wildgehege-Verband ist mit seiner „Umweltbildung/BNE in Tiergärten“ über das BNE-Portal der deutschen UNESCO-Kommission seit März 2025 als BNE-Akteur registriert. Das bedeutet zum Beispiel, dass sich bei den angebotenen DWV-Seminaren methodisch-didaktisch an den BNE-Prinzipien orientiert wird, die im BNE-Portal vorgestellt werden.

Durch die Vielfalt seiner 175 Mitglieder (Stand 12/2025) werden auch andere SDGs bereits umgesetzt.

Tortengrafikhttps://bne.unesco.de/?fulltext=wildgehege

Quellen:

Bundesregierung (22.11.2025): Transformation gemeinsam gegen gerecht gestalten – Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie Weiterentwicklung 2025. Unter: https://www.bundesregierung.de/resource/blob/975228/2335292/3962877378d74837d4f4c611749b6172/2025-05-13-dns-2025-data.pdf?download=1

Bundeszentrale für politische Bildung (bpb, 06.03.2025): Was ist Bildung für nachhaltige Entwicklung? Unter: https://www.bpb.de/die-bpb/partner/teamglobal/163018/un-dekade-bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung/

European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) (2010): EAZA Strategie einer Bildung für Naturschutz 2010-2012, Amsterdam.

European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) (06.03.2025): https://www.eaza.net/home/

Stoltenberg, Ute Prof. Dr. (2010): Der Zoo in einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. In: Simon, Lisa & Pyhel, Thomas: Umweltbildung – tierisch gut! – ein Praxisleitfaden für Schule, Zoo und Co. Oekom Verlag, München, S. 20-23.

Uni Hamburg, Nachhaltigkeit (22.11.2025): SDGs im „Wedding Cake“-Modell. https://www.uni-hamburg.de/nachhaltigkeit/verstaendnis/sdgs.html