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Deutscher-Wildgehege-Verband e.V.

Neuer Kolkrabe im Tierpark Bielefeld

Hört man auf dem Gelände des Tierparks Olderdissen sein Gekrächze, dann wird man nicht vermuten, dass man es beim Kolkraben (Corvus corax) mit dem größten aller Singvögel zu tun hat. Dieser Tage nun traf aus dem Wildpark Frankenhof ein neuer Bewohner in der Raben-Voliere in Olderdissen ein: der vierjährige männliche Kolkrabe namens „Sirius“.

Da er im passenden Alter ist, soll er nun mit der bereits hier lebenden Henne ein Paar bilden. Bevor die Zusammenführung stattfand, durchlief „Sirius“ noch tiermedizinische Untersuchungen und wurde unter Quarantäne gestellt. Die Kolkraben im Tierpark Olderdissen bewohnen ein der großen Volieren – direkt angrenzend an die Wasseranlage der Fischotter. Für die Haltung der großen, bewegungsfreudigen Rabenvögel sind zwei nebeneinander liegende Volieren verbunden worden.

Die Übernahme kam noch gerade rechtzeitig zur diesjährigen Brutzeit. Allerdings ist noch nicht klar, ob die Verpaarung so schnell klappt. „Das werden erst die nächsten Wochen zeigen“, sagt Dr. Benjamin Ibler, der Leiter des Tierparks, denn: „Kolkraben beginnen bereits sehr zeitig im Vorfrühling mit der Balz und anschließend mit der Brut.“ 

In der Balzzeit ist ein tiefer Ruf, der wie „klong-klong“ klingt, oft kilometerweit zu hören. Und das nicht nur bei den Tieren im Tierpark in Menschenobhut, sondern auch bei den wildlebenden Artgenossen im Teutoburger Wald. Das Weibchen brütet dann rund 20 Tage, das Männchen schafft Futter heran. Als Standort für den Horst werden hohe Bäume oder Felswände gewählt. Kolkraben sind allein schon durch ihre Größe beeindruckende Vögel mit einem tiefschwarzen, mit metallischem Schimmer scheinenden Gefieder. Der Schnabel ist groß und klobig.  Kolkraben fressen alles, was sie überwältigen können, aber beseitigen auch die Kadaver in der Natur verstorbener Tiere und haben damit eine wichtige Funktion im Naturhaushalt.

Unbestritten ist die Ankunft von „Sirius“ ein freudiges Ereignis, dem aber ein trauriges voranging. Im vergangenen Jahr war der besonders bekannte alte „Konrad“ verstorben. „Konrad“ war wohl ca. 1986 geschlüpft, allerdings leider ohne genauere Aufzeichnungen. Wahrlich ein Methusalem, wird auch heute noch das nachgewiesene Höchstalter mit 28 Jahren in den Lehrbüchern für Tierhaltung angegeben. Ein Vogel, der schon immer da war, auch wenn ihn nur die wenigsten namentlich kannten. Auf seine alten Tage wurde „Konrad“ ein literarisches Denkmal gesetzt: Sein Konterfei dient als Illustration einer Neuauflage des bekannten Gedichts „Der Rabe“ von Edgar Allen Poe, gezeichnet von den Künstlern Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer.

Sowohl dieses Gedicht von Poe, aber auch der „Rabe Ralf“ von Christian Morgenstern, „Hans Huckebein“ von Wilhelm Busch, „Die sieben Raben“ der Brüder Grimm, der Benennung des Raben in den Fabeln von Aesop bis Lafontaine und viele Ausdrücke wie „Unglücksrabe“ oder „Rabeneltern“ zeigen die große kulturgeschichtliche Bedeutung dieser Tiere.

Noch vor wenigen Jahren war Corvus corax ausgesprochen selten, mittlerweile aber haben sich die Bestände erfreulicherweise erholt. Aus dem einem scheuen Kulturflüchter ist mancherorts ein Kulturfolger geworden.